Statement
Wohnmobilisten unter Druck
Alle Beiträge unterliegen dem Urheberrecht.
© RA Ulrich Dähn, Bad Hersfeld, Seilerweg 10
1. Womo-Steuer-Erhöhung, Plakettenverordnung, Mineralölsteuererhöhungen haben unsere Staats"Diener" zu verantworten. Resultat: Verunsicherung der Käufer, Verteufelung des Wohnmobilfahrens, Wertvernichtung des Bestandes, der keine grüne Plakette bekommt. Fahrzeuge älterer Bauart sind nicht mehr „umweltschonende Schätzchen“, weil sie ja nicht erst neu hergestellt werden müssen, sondern werden zu „Stinkern“ abgestempelt, die in den Städten unerwünscht sind und lieber in der Wüste fahren sollen. So etwas hinterlässt auch im Unterbewussten „Eindrücke und Stimmungen“, die das Kaufverhalten prägen.
2. Die Verbände haben nichts Erkennbares getan, um gegenzusteuern. Ich war und bin beteiligt an den Steuerverfahren zur Beseitigung der ungerechten Womo-Steuer. Was da während der Planungszeit vom DCHV und oder dem CICD kam, war beschämend. Man hätte auch dem ADAC klarer machen können, dass ein Ankämpfen alleine gegen die Rückwirkung wahrscheinlich sinnlos, jedenfalls bedeutungslos ist. Man hätte schlicht auf die Barrikaden gehen müssen. Dies gilt bei der Steuer und natürlich erst recht bei der Plakettenverordnung. Warum haben diese Verbände keine Sternfahrt nach Berlin organisiert, sondern indirekt den Steuererhöhungen und Verschärfung der Abgasvorschriften auch für Altfahrzeuge noch das Wort geredet? Wahrscheinlich in der klammheimlichen Hoffnung, dadurch mehr Neufahrzeuge absetzen zu können?
3. Ein Neufahrzeug oder neueres Fahrzeug zu erwerben, fällt zunehmend schwer. Diejenigen, die ein "Schätzchen" haben, werden es nur mit Preisabschlägen los. Das Geld fehlt für den Neukauf. Steigen gleichzeitig Steuern und Abgaben und die Preise auch schon wieder gewaltig, kann sich kaum einer entschließen, sich ein neues Fahrzeug zu kaufen. Also bleiben die Fahrzeuge stehen.
4. Ein durchschnittliches Womo kostete im Jahre 2000 so ca. 75.000 DM, heute 75.000 EUR. Das Einkommen vieler Menschen ist in gleicher Zeit inflationsbereinigt gesunken. Gleichzeitig wurden Arbeitsplätze ins Ausland verlagert. Die hier weggefallenen Arbeitsplätze schaffen auch keine Kaufkraft für neue Wohnmobile oder Wohnwagen. Ein Ungar oder Slowene kauft kaum ein deutsches Wohnmobil für durchschnittlich 75.000 EUR, wovon denn??? Will sagen, die Preisentwicklung und die Einkommensschere laufen strikt auseinander.
5. Mit dem Modellwechsel 2006 zu 2007 waren die meisten Hersteller überfordert. Auf der Messe in DÜ standen 2006 nur halbfertige Prototypen. Verkauft wurde aber schon, so dass dann Anfang 2007 Zitronenfahrzeuge ausgeliefert wurden, die anschließend beim Kunden reifen sollten. Bei mieser Grundstimmung kann allein diese Mängelhäufigkeit auch ein Fass zum Überlaufen bringen.
Was tun:
Keine Schnick-Schnack-Modellpolitik mehr, sondern Vorhandenes verbessern, Bewährtes beibehalten und nicht das Rad ständig schlechter neu erfinden. Die Modelle könnten wieder preisgünstiger produziert und verkauft werden. Die immensen Entwicklungskosten für die neuen „Gardinen- und Polster Modelle“ könnten vermindert werden.
Die Politik muss die Kfz-Steuer abschaffen. Dazu müssen die Länder endlich über ihren Schatten springen. Statt dessen wird nur noch die Mineralölsteuer erhoben: Wer viel fährt und Abgase produziert zahlt auch viel, fertig.
Wir führen zum Ausgleich eine Straßenmaut (Vignette) ein. Dann ist wenigstens der innere Schweinehund erschlagen, dass viele europäische Freunde uns abzocken dürfen, aber auf unseren Straßen kostenlos fahren, womöglich sogar ohne hier zu tanken oder etwas einzukaufen (wir sind für viele nur Transitland).
Die völlig abstruse PlakettenVO gehört in den politischen Papierkorb. In Köln, einer Vorreiterstadt beim Sperren der Innenstadt, ist kein messbarer Erfolg feststellbar. Darüber wundert sich auch niemand, der einen IQ oberhalb der Zimmertemperatur hat und sich ein bisschen mit dem CO2- und Russthema beschäftigt. Warum will HH eine „Umweltzone“ einführen, den Hafen, den die Queen Mary 2 regelmäßig besucht und wo sich die mit Schweröl fahrenden Ozeanriesen täglich abwechseln, aber ausnehmen. Was soll das?
Die gesamte Steuerbelastung muss runter, andere Länder haben es vorgeführt. Steuerprivilegien gehören abgeschafft, wozu dann allerdings auch die 20 Cent Steuerermäßigung je Liter Diesel gehören würden. Würde man dafür Flugkerosin angemessen besteuern, wäre zusätzlich mehr Gerechtigkeit und auch etwas für den Umweltgedanken getan.
Die Hersteller- und Händlerverbände brauchen engagierte Leute, die die Probleme der Wohnmobilisten und Caravaner kennen und auch in die Parlamente befördern. Vielleicht sollte man Standesvertreter der Bauernverbände oder aus dem öffentlichen Dienst abwerben, die wissen, wie Lobbyarbeit funktioniert. Guido Westerwelle, mit seinem Guido-Mobil ja ein ausgewiesener Wohnmobilist, sollte sich unserer Interessen annehmen. Steuern zu senken, steht ohnehin auf dem Programm der FDP.
Denn nur wer am lautesten in unserem Staat schreit oder die besten Verbindungen aufbaut, bekommt auch etwas zurück. Ich glaube, diese Branche schläft den Schlaf des Gerechten und wundert sich, dass auch dadurch der Markt weg bricht. Statt sich selbst auf übertriebenen Pompmessen zu beweihräuchern sollte man lieber die Ärmel aufkrempeln, und dem Campingtourismus den Weg bereiten.
Wo kein Weg ist oder durch zu hohe Abgaben versperrt wird, da fährt auch kein Campingfahrzeug mehr.
Nach oben