Wohnmobilrecht

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Zuladungsrechner


Zur Berechnung der wirklichen Zuladung des Wohnmobils sollte man wie folgt vorgehen:

1.
Das Fahrzeug sollte trocken sein und es sollte zum Wiegen nicht regnen, sonst erhält man ein zu hohes Gewicht.

2.
Bitte das Fahrzeug komplett ausräumen. Es bleiben darin das Bordwerkzeug, das Reserverad mit Wagenheber, ein serienmäßiger Feuerlöscher und alle fest mit dem Fahrzeug verbundenen Zubehörteile (Zusatzausstattung laut Kaufvertrag und oder Zusatzvereinbarungen). Auch die Gasflaschen entnehmen (weil man nie genau weiß, wie viel Gas noch darin ist).

3.
Den Wassertank, die Wasserleitungen, den WW-Boiler und die externe Wasserversorgung für die Toilette bitte randvoll machen. Die Abwassertanks müssen vollständig entleert werden. Dann den Dieseltank ganz voll tanken. Ist ein Gastank als Zubehör werksseitig fest eingebaut, so ist dieser ebenfalls vollständig zu füllen.

4.
Anschließend auf die geeichte Waage fahren. Ohne Insassen wiegen lassen, am besten zwei Gewichte nehmen:
Gesamtfahrzeug und zusätzlich die Vorderachslast oder die Hinterachslast.

Zwischenergebnisse eintragen:

Vorderachslast: kg
Hinterachslast: kg
Gewicht des Fahrzeuges: kg

5.
Dem ermittelten Gewicht für das Fahrzeug nun wieder folgende Beträge hinzuaddieren bzw. abziehen:

Für den Fahrer 75 KG und für die beiden Gasflaschen 44 KG bitte hinzuzählen.

Da wir den Dieseltank vollgemacht haben, ist 10% des Diesel-Gewichtes wieder abzuziehen. Dazu dann 10% Tankvolumen (Tankgröße gemäß Herstellerangabe) mit 0,84 multiplizieren und man hat den Kg-Wert, der abzuziehen ist. Bei den üblichen Sprinter-Ducatos-usw. kann man auch pauschal 7 kg nehmen, es sei denn sie haben den 135 Liter Zusatztank.

Das ergibt die tatsächliche Gesamtmasse in fahrbereitem Zustand: kg. Dies müsste eigentlich, streng nach StVZO sich auch aus den COC-Papieren ergeben. Diese „technische Gesamtmasse“ beinhaltet die „masse in fahrbereitem Zustand“ plus die „Sonderausstattung ab Werk“. Die Sonderausstattung ab Werk kennt man, kann so diese Gewichte der Zusatzausstattungen ermitteln und von der technischen Gesamtmasse abziehen. Dann hat man die „Masse in fahrbereitem Zustand“, die im Fahrzeugschein steht. (ja es ist kompliziert. Ich kann es nicht ändern!)

Hier kann man also schon einmal vergleichen, ob dieser Wert von dem eingetragenen Leergewicht im Fahrzeugbrief abweicht, was in 90 % aller Fälle so sein wird. So weiß man auch, welche theoretische Zuladung überhaupt noch möglich wäre. Sicher weniger, als der Blick in die Papiere Glauben machte. Die an anderer Stelle besprochene neue Verordnung der EU sei hier bereits erwähnt.

Gewichtsangaben nach der neuen EU-Verordnung

6.
Um zu ermitteln, ob das Fahrzeug als Wohnmobil für den vertraglich vorausgesetzten Gebrauch geeignet ist und die zu erwartende Beschaffenheit im Sinne der kaufrechtlichen Vorschriften hat, ist zusätzlich und unter Berücksichtigung der DIN 1646-2 die so genannte „persönliche Ausrüstung“ hinzuzurechnen

a) für alle weiteren zugelassenen Insassen (steht im Fahrzeugbrief/Schein) jeweils 75 kg.
b) je Meter Fahrzeuglänge 10 kg (also bei 7,20m 72 kg).
c) je berechtigtem Mitfahrer 10 kg, bei 4 berechtigten Insassen laut Fahrzeugbrief also 40 kg.

Gewicht in fahrbereitem Zustand war (siehe oben): kg
plus das Gewicht der zugelassenen Mitfahrer: kg
plus persönliche Ausstattung nach Fahrzeuglänge (Länge x 10 kg): kg
plus persönliche Ausstattung nach Anzahl der Mitfahrer (Mitfahrerzahl x 10 kg): kg
Tatsächliches Gesamtgewicht bei DIN-gemäßem Gebrauch: kg

Dieses Gewicht darf nicht über dem im Fahrzeugbrief eingetragenen zul. Gesamtgewicht liegen. Sonst besteht eine "negative Zuladung", was permanent die Gefahr der Überlastung des Fahrzeuges nach sich zieht. In der Regel ist ein Fahrzeug mit einer negativen Zuladung mangelhaft, weil nicht zum vertraglich vorausgesetzten und üblichen Gebrauch geeignet. Etwas anderes gilt nur dann, wenn man eine geringere Zuladung ausdrücklich vereinbart hatte oder darauf hingewiesen wurde. Wird diese „Mindestnutzlast“ unterschritten, ist dies nach der Definition der neuen Verordnung nicht zulässig, und stellt einen Mangel dar.

Gewichtsangaben nach der neuen EU-Verordnung

7.
Sollten die Achslasten überschritten sein, liegt ein weiterer Mangel vor. Um das genau festzustellen, ist aber etwas mehr Aufwand erforderlich. In diesem Fall macht es Sinn, die Kilos, die die Mitfahrer auf die Waage bringen und das Gewicht für das Gepäck tatsächlich verteilt auf die Sitzplätze und im übrigen Fahrzeug in das Fahrzeug zu bringen und dann erneut zu wiegen. Man könnte, wenn man keine Normgewichte hat, z.B. Wasser oder Bierkisten nehmen. Dieser Aufwand macht natürlich nur Sinn, wenn man aus dem obigen Messergebnis bereits den Verdacht haben muss, dass es mit den Vorder- oder Hinterachslasten eng werden könnte. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn schon ohne diese im Fahrzeug befindlichen Gewichte die Achslasten bald erreicht werden.

8.
Nach der DIN 1646-2 ist zudem ein "Bordbuch" zu überreichen, dem sich alle wichtigen Gewichte, wie sie oben aufgelistet sind, zu entnehmen sind. Das Fehlen eines solchen Bordbuches ist ebenfalls ein Mangel der gekauften Sache. Hier bestehen zumindest Nachlieferungsansprüche gegen den Verkäufer.


© Ulrich Dähn, Bad Hersfeld, im Juli 2016

Die "Fahrstellung" des Frischwassertanks Gewichtsangaben